Supervision mit künstlerischen Perspektiven
Supervision ist für mich ein Raum gemeinsamer Reflexion, in dem berufliche Erfahrungen aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden können. Fachpersonen aus therapeutischen, pädagogischen und psychosozialen Arbeitsfeldern stehen in ihrer Arbeit häufig vor komplexen Situationen, in denen Beziehung, Emotion, institutionelle Rahmenbedingungen und persönliche Verantwortung ineinandergreifen. Supervision ermöglicht es, diese Erfahrungen gemeinsam zu verstehen, zu ordnen und neue Handlungsspielräume zu entwickeln.
Meine supervisorische Arbeit ist integrativ und verbindet Gespräch, Wahrnehmung und künstlerische Perspektiven entlang einer hermeneutischen Prozesslogik. Neben der sprachlichen Reflexion können auch musikalische, imaginative oder andere kreative Zugänge einbezogen werden. In manchen Situationen musizieren oder improvisieren wir miteinander. Solche ästhetischen Zugänge eröffnen häufig einen Zugang zu implizitem Wissen und zu emotionalen Prozessen, die im Gespräch allein schwer fassbar bleiben. Künstlerische Perspektiven ermöglichen es, berufliche Situationen nicht nur analytisch, sondern auch sinnlich und atmosphärisch zu erfassen.
Ein wichtiger Hintergrund meiner Arbeit ist die entwicklungspsychologische Perspektive auf Beziehung und Resonanz. Forschungen etwa von Daniel N. Stern sowie Arbeiten aus der entwicklungspsychologisch orientierten Musiktherapie zeigen, dass menschliche Entwicklung in fein abgestimmten Momenten von Wahrnehmung, Antwort und emotionaler Abstimmung entsteht. Diese Dynamiken finden sich auch in pädagogischen, therapeutischen und beratenden Beziehungen wieder. Supervision kann helfen, solche Prozesse bewusster wahrzunehmen und professionell zu gestalten.
Methodisch arbeite ich mit strukturierenden Modellen aus der systemischen und organisationspsychologischen Supervision. Sie ermöglichen es, berufliche Situationen auf verschiedenen Ebenen zu betrachten: die konkrete Szene, die innere Situation der Fachperson, die Beziehungsebene sowie den institutionellen Kontext. Diese Differenzierung unterstützt Fachpersonen dabei, komplexe Situationen besser zu verstehen und neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.
Supervision verstehe ich nicht als Ort fertiger Antworten, sondern als dialogischen Lernraum, in dem Erfahrungen geteilt, Perspektiven erweitert und Ressourcen gestärkt werden können.
Ich arbeite mit Einzelpersonen, Gruppen und Teams aus therapeutischen, pädagogischen und psychosozialen Arbeitsfeldern.
Veröffentlichungen
Knapp, Franziska (2026)
Resonanzräume öffnen im Supervisionsprozess.
Musiktherapeutische Umschau – Forschung und Praxis der Musiktherapie, 47(1), Vandenhoeck & Ruprecht.
Der Beitrag zeigt anhand einer konkreten Gruppensupervision, wie atmosphärische Prozesse und Resonanzphänomene im Supervisionsprozess wirken können. Künstlerische Methoden eröffnen Erfahrungsräume, in denen berufliche Situationen neu verstanden und reflektiert werden können.
Knapp, Franziska (2025)
Spielfreude, Beziehung und Kompetenz.
Musiktherapeutische Umschau – Forschung und Praxis der Musiktherapie, Vandenhoeck & Ruprecht.
Der Beitrag untersucht die Entwicklung psychotherapeutischer Kompetenzen in der Ausbildung von Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten und fragt nach der Rolle von Spielfreude, Resonanz und Beziehungsgestaltung in professionellen Lernprozessen.
Wissenschaftliche Arbeiten (Auswahl)
Die Spielfreude in der Musik setzt sich durch!
Der Umgang mit Musik im Lebenslauf von Musiktherapie-Studierenden – Sechs Portraits
Masterarbeit, MAS Klinische Musiktherapie, Zürcher Hochschule der Künste, 2022.
Resonanz öffnet – Sprache verankert.
Ein ästhetisch-hermeneutisches Supervisionskonzept
Diplomarbeit, DAS Supervision und Coaching mit künstlerischen Perspektiven.
Wie entsteht musikalisches Empfinden?
Studienarbeit, Hochschule für Angewandte Psychologie Zürich, 2004.
Lehre
Gastdozentin für Musiktherapie.
Lehrveranstaltungen zu systemischen und entwicklungspsychologischen Perspektiven in der Musiktherapie sowie zu kreativen und improvisatorischen Methoden in therapeutischen Prozessen.
Lehrskript:
Systemische Konzepte in der Musiktherapie (2023)
Fachschule Musiktherapie Ausbildung Schweiz (FMAS).
Qualifikationen
BSO-Supervisorin
Eidgenössisch anerkannte Psychotherapeutin
Fachpsychologin für Psychotherapie FSP
Diplom-Psychologin FH (ZHAW)
Klinische Musiktherapeutin MAS (ZHdK / SFMT)
Musikpädagogin FH (ZHdK)
Eidg. diplomierte Kunsttherapeutin (ED), Fachrichtung Musiktherapie
Anerkennungen durch:
Psychotherapie- Verbände FSP / SBAP · OdA ARTECURA · EMR
Langjährige eigene Supervision und Weiterbildungen u. a. bei
Carole Gammer (Systemische Paar- und Familientherapie, 2006–2012)
Ursula Davatz (Systemische Familientherapie, 2012–2026)
Sandra Lutz Hochreutener (Musiktherapie mit Kindern, 2018–2025)